Weiterführende Organ-Ultraschalluntersuchung

Der weiterführende Ultraschall in der 20.-22.SSW bietet die Möglichkeit das ungeborene Kind ohne Nebenwirkungen eingehend zu beurteilen. Diese Untersuchung ist wesentlich umfangreicher als die gemäß den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehene Ultraschall-Untersuchung in diesem Zeitraum.

Neben einem höheren Zeitaufwand und der erforderlichen technischen Ausstattung mit einem hochauflösenden Ultraschallgerät erfordert die Untersuchung vor alle eine große Erfahrung des Untersuchers. Beurteilt werden zum einen das Ungeborene selbst, aber auch die Gesamtumgebung und die versorgenden Strukturen:

  • Größenentwicklung des Kindes.
  • Aussehen aller darstellbaren kindlichen Organe und soweit beurteilbar, deren Funktion.
  • Gebärmutter und Fruchtwassermenge.
  • Lage und Aussehen des Mutterkuchens und der Nabelschnur.

Fetales Profil 22. SSW              Ansatz der Nabelschnur        Aortenbogen 22. SSW
                                                      am Mutterkuchen

Bei qualifizierter Durchführung diese Untersuchung können über 80% der Fehlentwicklungen ungeborener Kinder dargestellt werden. Neben den organischen Fehlbildungen können im Rahmen dieser detaillierten Untersuchung bei einigen Kindern auch Merkmale auffallen, die das statistische Risiko für das Vorliegen einer Chromosomenstörung erhöhen. Solche Auffälligkeiten werden als so genannte „Marker“ bezeichnet.

Sie stellen keine Fehlbildung dar und sind bezüglich der Funktion der Organe ohne Bedeutung, ermöglichen uns aber unter Einbeziehung des Alters eine Abschätzung des Risikos bezüglich des Vorliegens einer Chromosomenstörung. Neben diesem Nutzen ist aber auch zu bedenken, dass das Auffinden solcher Marker zu Ängsten bei der Schwangeren führen können, obwohl das Kind völlig gesund ist.

 

Echokardiographie

Ein weiterer, ganz entscheidender Bestandteil der Organuntersuchung ist die Untersuchung des kindlichen Herzens und der großen Blutgefäße, die so genannte fetale Echokardiographie.
Herzfehler und Herzerkrankungen gehören zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen (6-8 von 1000 Kindern). Zum einen die Häufigkeit, zum anderen der Umstand, dass die Kinder mit Herzfehlern diejenigen sind, die von der vorgeburtlichen Diagnose am meisten profitieren, machen diese Untersuchung so wichtig. Die spezielle Überwachung der Schwangerschaft, die exakte Planung von Ort und Art der Entbindung und in einigen Fällen die vorgeburtliche Behandlung sind von entscheidender Bedeutung für die Zukunft des Kindes.

Beurteilt werden bei dieser Untersuchung:

  • Lage und Größe des Herzens und der Herzkammern
  • Schlagfrequenz und Kontraktionsfähigkeit des Herzens
  • Beurteilung der Herzscheidewände
  • Lage und Aussehen der arteriellen und venösen Gefäße und Überprüfung der Anschlüsse dieser Gefäße

Vierkammerblick                       Vierkammerblick mit farbkodierter
                                                      Flussdarstellung

Neben der Beurteilung der Strukturen des Herzens bietet die farbkodierte Doppler-Sonographie des Herzens darüber hinaus eine Aussage über die Funktion des Organs. So können Blutflüsse innerhalb des Herzens und in den zu-und abführenden Gefäßen gemäß ihrer Richtung und Geschwindigkeit farblich dargestellt werden, exakte Messungen der Blutflussgeschwindigkeit sind möglich.

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Doppler

Mit dieser Untersuchung werden die Blutflussverhältnisse der mütterlichen und kindlichen Gefäße dargestellt, die uns eine Aussage über die Versorgung des Ungeborenen erlauben.
Sinnvoll ist diese Untersuchung ab der 20. SSW. Schon zu diesem Zeitpunkt erlaubt uns die Untersuchung – oft schon lange vor dem Auftreten von Problemen- die Zuordnung der Schwangeren zu einer Risikogruppe (Versorgungsstörungen des Ungeborenen, Auftreten von „Schwangerschaftsvergiftungen“). Medikamentöse Maßnahmen können in diesen Fällen helfen Komplikationen abzumildern und die Überwachung der Schwangerschaft kann intensiviert werden, um rechtzeitig auf Komplikationen reagieren zu können.
Spezielle Gründe für eine dopplerkodierte Dopplersonographie sind:

  • Kindliche Entwicklungsverzögerungen in der aktuellen oder der vorherigen Schwangerschaft
  • Mütterliche Erkrankungen, die häufiger zu Versorgungsproblemen führen z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Gerinnungsstörungen
  • auffällige Struktur des Mutterkuchens und Unregelmäßigkeiten der Fruchtwassermenge
  • äußere Einflüsse wie Nikotin- Drogen oder Alkoholmissbrauch, Medikamenteneinnahme
  • Infektionen der Mutter
  • Mehrlingsschwangerschaften

Strömungsprofil Arteria        Strömungsprofil Arteria        Strömungsprofil Ductus
uterina                                     umbilicalis                               venosus

Mit diesen Untersuchungsmethoden können ein Großteil kindlicher Fehlentwicklungen und vorgeburtlicher Probleme erkannt werden. Dennoch ist es auch wichtig zu wissen, dass nicht zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft alle Fehlbildungen, Veränderungen oder Probleme erkennbar sind. Auch bei hochwertigster technischer Ausstattung, größter Erfahrung und höchster Sorgfalt des Untersuchers kann zu keinem Zeitpunkt der Schwangerschaft für ein gesundes Kind garantiert werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Untersuchungsbedingungen erschwert sind (z.B. dicke Bauchdecken, ungünstige Kindlage, reduzierte Fruchtwassermenge), mitunter kann eine vernünftige Beurteilung unmöglich sein.

Eine unauffällige Ultraschalluntersuchung kann auch eine Chromosomenanalyse nicht ersetzten, da eine Chromosomenstörung so nicht sicher auszuschließen ist. Wer den sicheren Ausschluss einer Chromosomenstörung braucht, muss eine invasive Diagnostik (Chorionzottenbiopsie, Fruchtwasseruntersuchung oder Nabelschnurpunktion) mit einer Chromosomenanalyse in Anspruch nehmen.